29. DEZEMBER

5. TAG DER WEIHNACHTSOKTAV

EröffnungsversJoh 3, 16

Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht,
sondern das ewige Leben hat.
Ehre sei Gott,

Tagesgebet

Unsichtbarer Gott,
dein Licht ist in die Welt gekommen

und hat die Finsternis überwunden.
Sieh gnädig auf uns
und lass uns die Herrlichkeit der Geburt Christi
mit würdigem Lob feiern,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

ZUR LESUNG  Die Sprache des ersten Johannesbriefes ist scheinbar einfach. Einige Begriffe, die wir auch vom Johannesevangelium her kennen, kehren immer wieder, z. B. Licht und Finsternis, Leben und Tod, Liebe und Hass. Der Gedanke schreitet nicht in logischer Folge weiter, sondern kreist immer wieder schauend und sinnend um seinen Gegenstand. Diese Denk- und Redeweise ist uns ungewohnt, aber wir müssen versuchen, uns ihr anzuschließen, wenn wir den ersten Johannesbrief mit Freude und Nutzen lesen wollen.

Die heutige Lesung hat zwei Teile: V. 3–6 und V. 7–11. Ob wir Gott erkennen und seinen Sohn Jesus Christus, davon hängt alles ab. Aber was heißt „erkennen“? Es heißt, im Sinn der Bibel: sich der Wirklichkeit Gottes öffnen, von dieser Wirklichkeit sich bestimmen und verwandeln lassen. Das hat, wenn es im Ernst geschieht, seine Auswirkungen, vor allem das „Halten der Gebote“. Wer Gott erkannt hat, tut den Willen Gottes. Das Zentralgebot ist die Liebe. Es ist ein altes Gebot (V. 7), denn es hat seinen Grund im Wesen Gottes selbst, und zugleich ein „neues Gebot“, weil etwas Neues geschehen ist und noch geschieht: Das Wort ist Fleisch geworden, die Liebe hat sich im Opfer Christi offenbart, und ihre Kraft wirkt weiter im Leben seiner Jünger. – Joh 1, 10–11; 13, 34; 17, 3.

Erste Lesung1 Joh 2, 3–11

Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht

Lesung
aus dem ersten Johannesbrief.

Schwestern und Brüder!
3Daran erkennen wir, dass wir Jesus Christus erkannt haben:
wenn wir seine Gebote halten.
4Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!,
aber seine Gebote nicht hält,
ist ein Lügner
und in dem ist die Wahrheit nicht.
5Wer sich aber an sein Wort hält,
in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet;
daran erkennen wir, dass wir in ihm sind.
6Wer sagt, dass er in ihm bleibt,
muss auch einen Lebenswandel führen, wie er ihn geführt hat.
7Geliebte, ich schreibe euch kein neues Gebot,
sondern ein altes Gebot, das ihr von Anfang an hattet.
Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt.
8Wiederum schreibe ich euch ein neues Gebot,
was wahr ist in ihm und in euch,
weil die Finsternis vergeht
und das wahre Licht schon leuchtet.
9Wer sagt, er sei im Licht, aber seinen Bruder hasst,
ist noch in der Finsternis.
10Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht
und in ihm gibt es keinen Anstoß.
11Wer aber seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis
und wandelt in der Finsternis
und weiß nicht, wohin er geht;
denn die Finsternis hat seine Augen blind gemacht.

AntwortpsalmPs 96 (95), 1–2.3–4.5–6 (Kv: 11a)

Kv Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke. – Kv GL 635, 6, VIII. Ton

1Singet dem Herrn ein neues Lied, ∗
singt dem Herrn, alle Lande,
2singt dem Herrn, preist seinen Namen! ∗
Verkündet sein Heil von Tag zu Tag! – (Kv)
3Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, ∗
bei allen Völkern von seinen Wundern!
4Denn groß ist der Herr und hoch zu loben, ∗
mehr zu fürchten als alle Götter. – (Kv)
5Alle Götter der Völker sind Nichtse, ∗
aber der Herr ist es, der den Himmel gemacht hat.
6Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht, ∗
Macht und Glanz in seinem Heiligtum. – Kv

Ruf vor dem EvangeliumVers: Lk 2, 32

Halleluja. Halleluja.
Ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für das Volk Israel.
Halleluja.

ZUM EVANGELIUM  Jesus wird von seinen Eltern in den Tempel gebracht, wie es das Gesetz des Ersten Bundes verlangt. Ebenso hält sich Maria an die Vorschriften, die für jede jüdische Mutter gelten. Aber nicht nur um die Vorschrift zu erfüllen, kommt Jesus in den Tempel; er ist der Herr des Tempels (Mal 3, 1). Der greise Simeon erkennt in dem Kind den Heilbringer für Israel und die Heiden, den Messias. Aber an das Loblied (V. 29–32) schließt sich eine düstere Weissagung, wie auch schon im Alten Testament vom Gottesknecht zugleich Leiden und Verherrlichung vorausgesagt waren. Mit der Ankunft Jesu setzt die Krise ein. An ihm entscheidet sich das Schicksal Israels und aller Völker. Maria aber erfährt, dass sie als Mutter des Messias seinen Leidensweg mitgehen wird. Sie bewahrt die Worte Simeons in ihrem Herzen, wie sie die Worte der Hirten bewahrt hat (Lk 2, 19). Auch sie braucht Zeit, um das Geschehene zu verstehen und die Tragweite des Gehörten zu ermessen. – Ex 13, 11–16; Lev 12, 1–8; Jes 8, 14–15; 42, 6; 49, 6; Mal 3.

EvangeliumLk 2, 22–35

Ein Licht, das die Heiden erleuchtet

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

22Als sich für die Eltern Jesu
die Tage der vom Gesetz des Mose
vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten,
brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf,
um es dem Herrn darzustellen,
23wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist:
Jede männliche Erstgeburt
soll dem Herrn heilig genannt werden.
24Auch wollten sie ihr Opfer darbringen,
wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt:
ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
25Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Símeon.
Dieser Mann war gerecht und fromm
und wartete auf den Trost Israels
und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
26Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden,
er werde den Tod nicht schauen,
ehe er den Christus des Herrn gesehen habe.
27Er wurde vom Geist in den Tempel geführt;
und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten,
um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war,
28 nahm Símeon das Kind in seine Arme
und pries Gott mit den Worten:
29Nun lässt du, Herr,
deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
30Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
31 das du vor allen Völkern bereitet hast,
32ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
33Sein Vater und seine Mutter
staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.
34Und Símeon segnete sie
und sagte zu Maria, der Mutter Jesu:
Siehe, dieser ist dazu bestimmt,
dass in Israel viele zu Fall kommen
und aufgerichtet werden,
und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, –
35und deine Seele wird ein Schwert durchdringen.
So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.

Fürbitten

Zu Jesus Christus, dem Licht, das die Völker erleuchtet, rufen wir voll Vertrauen:
■ Bewahre in allen Gliedern der Kirche die Freude über deine Geburt.
■ Gewähre allen Völkern jenen Frieden, den sie ohne dich nicht erlangen können.
■ Nimm von uns alle Sorgen und Angst um die ungewisse Zukunft.
■ Lass uns in deiner Liebe bleiben und sie unseren Mitmenschen weitergeben.
■ Führe unsere Verstorbenen in deine Herrlichkeit.
Denn du bist das Licht, das alle Finsternis erhellt. Dich preisen wir heute und in Ewigkeit. – A: Amen.

Gabengebet

Herr, wir bringen unsere Gaben dar
für die Feier,

in der sich ein heiliger Tausch vollzieht.
Nimm sie in Gnaden an
und schenke uns dich selbst
in deinem Sohn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Weihnachtspräfation, S. 748 f.

In den Hochgebeten I–III eigener Einschub.

KommunionversLk 1, 78

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes
hat uns besucht das aufstrahlende Licht aus der Höhe.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott,
wir danken dir für das Brot des Lebens,

das du uns gereicht hast.
Gib uns durch dieses Sakrament
Kraft für unseren Weg zu dir
und schütze uns in deiner nie versagenden Liebe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

P. Anselm Schott

Messbücher-Namensgeber Pater Schott vor 125 Jahren gestorben (23.04.2021)
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