Neunundzwanzigster Sonntag – im Jahreskreis

Kein bewusst lebender Mensch kann sich mit dem Vorhandenen, dem Erreichten zufriedengeben. Auch Gott ist nicht mit dieser Welt zufrieden, er ist immer noch an der Arbeit, bis zur Stunde Jesu und bis ans Ende der Zeit (vgl. Joh 5, 17). Und der Mensch ist in der Welt das einzige Wesen, das diesen Gott erreichen und sich an ihn wenden kann. Er kann Gottes Macht und Liebe anrufen. Der Mensch allein kann beten.

EröffnungsversPs 17 (16), 6.8

Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.
Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!
Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges,
birg mich im Schatten deiner Flügel.

Ehre sei Gott, S. 365 f.

Tagesgebet

Allmächtiger Gott,
du bist unser Herr und Gebieter.
Mach unseren Willen bereit,
deinen Weisungen zu folgen,
und gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Zur 1. Lesung   Zur Zeit des Auszugs aus Ägypten waren die Amalekiter, ein nomadischer Stämmeverband auf der Sinai-Halbinsel, stärker als die Schar der Israeliten. Beim Zusammenstoß der beiden ging es um Wasserstellen und Weideplätze. Josua, der Zweite neben Mose, führte die Männer Israels in den Kampf, aber den Sieg errang nicht er, sondern Mose, der auf dem Berg vom Morgen bis zum Abend die Hände zum Gebet erhoben hielt.

Erste LesungEx 17, 8–13

Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker

Lesung
aus dem Buch Éxodus.

8In jenen Tagen kam Ámalek
und suchte in Réfidim den Kampf mit Israel.
9Da sagte Mose zu Jósua:
Wähl uns Männer aus
und zieh in den Kampf gegen Ámalek!
Ich selbst werde mich morgen mit dem Gottesstab in meiner Hand
auf den Gipfel des Hügels stellen.
10Jósua tat, was ihm Mose aufgetragen hatte,
und kämpfte gegen Ámalek,
während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen.
11Solange Mose seine Hand erhoben hielt,
war Israel stärker;
sooft er aber die Hand sinken ließ,
war Ámalek stärker.
12Als dem Mose die Hände schwer wurden,
holten sie einen Steinbrocken, schoben den unter ihn
und er setzte sich darauf.
Aaron und Hur stützten seine Arme,
der eine rechts,
der andere links,
sodass seine Hände erhoben blieben,
bis die Sonne unterging.
13So schwächte Jósua Ámalek und sein Heer
mit scharfem Schwert.

AntwortpsalmPs 121 (120), 1–2.3–4.5–6.7–8 (Kv: vgl. 2; 124 [123], 8)

Kv Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,GL 49,1
der Himmel und Erde erschaffen hat. – Kv

1Ich erhebe meine Augen zu den Bergen: *
Woher kommt mir Hilfe?
2Meine Hilfe kommt vom Herrn, *
der Himmel und Erde erschaffen hat. – (Kv)
3Er lässt deinen Fuß nicht wanken; *
dein Hüter schlummert nicht ein.
4Siehe, der Hüter Israels, *
er schlummert nicht ein und schläft nicht. – (Kv)
5Der Herr ist dein Hüter, *
der Herr gibt dir Schatten zu deiner Rechten.
6Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden *
noch der Mond in der Nacht. – (Kv)
7Der Herr behütet dich vor allem Bösen, *
er behütet dein Leben.
8Der Herr behütet dein Gehen und dein Kommen *
von nun an bis in Ewigkeit. – Kv

Zur 2. Lesung   Der Glaube ist nie ein fertiger Besitz, sondern muss wachsen und reifen: durch das Lesen der Heiligen Schrift, durch lebendige Erfahrung und durch selbstlos dienendes Weitergeben. Dazu ist am meisten der verpflichtet, der in der Gemeinde Verantwortung trägt.

Zweite Lesung2 Tim 3, 14 – 4, 2

Durch die Schrift belehrt, wird der Mensch Gottes ausgerüstet zu jedem guten Werk

Lesung
aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timótheus.

Mein Sohn!
3, 14Bleibe bei dem, was du gelernt
und wovon du dich überzeugt hast.
Du weißt, von wem du es gelernt hast;
15denn du kennst von Kindheit an
die heiligen Schriften, die dich weise machen können zum Heil
durch den Glauben an Christus Jesus.
16Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben,
auch nützlich zur Belehrung,
zur Widerlegung, zur Besserung,
zur Erziehung in der Gerechtigkeit,
17damit der Mensch Gottes gerüstet ist,
ausgerüstet zu jedem guten Werk.
4, 1Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus,
dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten,
bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich:
2Verkünde das Wort,
tritt auf,
ob gelegen oder ungelegen,
überführe, weise zurecht, ermahne,
in aller Geduld und Belehrung!

Ruf vor dem EvangeliumVers: vgl. Hebr 4, 12

Halleluja. Halleluja.
Lebendig ist das Wort Gottes und wirksam.
Es richtet über die Regungen und Gedanken der Herzen.
Halleluja.

Zum Evangelium   Die Zeit bis zum Kommen des Menschensohnes, also die Zeit der jetzt laufenden Geschichte, kann für die Christenheit immer wieder eine Zeit großer Not und Unsicherheit sein. Die Frage, ob Christus auf der Erde dann noch den Glauben antreffen wird, ist nicht dazu angetan, uns zu beruhigen. Es ist die Zeit der Bewährung, der Geduld und des vertrauenden Betens.

EvangeliumLk 18, 1–8

Sollte Gott seinen Auserwählten, die zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen?

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

In jener Zeit
1 sagte Jesus seinen Jüngern durch ein Gleichnis,
dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:
2In einer Stadt lebte ein Richter,
der Gott nicht fürchtete
und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.
3In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe,
die immer wieder zu ihm kam
und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher!
4Und er wollte lange Zeit nicht.
Dann aber sagte er sich:
Ich fürchte zwar Gott nicht
und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht;
5weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt,
will ich ihr Recht verschaffen.
Sonst kommt sie am Ende noch
und schlägt mich ins Gesicht.
6Der Herr aber sprach:
Hört, was der ungerechte Richter sagt!
7Sollte Gott seinen Auserwählten,
die Tag und Nacht zu ihm schreien,
nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern?
8Ich sage euch:
Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen.
Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt,
den Glauben auf der Erde finden?

Glaubensbekenntnis, S. 368 ff.

Fürbitten vgl. S. 812 ff.

Zur Eucharistiefeier   Herr, mein Gott, ich bekenne dir, dass du der einzige bist, von dem ich Hilfe erwarte. Dich allein will ich ehren, mit meinem Danken und mit meinen Bitten. Aber wichtiger, als dass meine Gebete erhört werden, ist, dass deine Gegenwart hier ist. Herr, in deinem Licht will ich leben.

Gabengebet

Hilf uns, Herr,
dass wir den Dienst am Altar
mit freiem Herzen vollziehen.
Befreie uns durch diese Feier von aller Schuld,
damit wir rein werden und dir gefallen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation, S. 420 ff.

KommunionversPs 33 (32), 18–19

Das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren,
die nach seiner Güte ausschauen.
Denn er will sie dem Tod entreißen
und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.

Oder:Mk 10, 45

Der Menschensohn ist gekommen,
um sein Leben als Lösegeld hinzugeben für viele.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott,
gib, dass die heiligen Geheimnisse,
die wir gefeiert haben, in uns Frucht bringen.
Schenke uns Tag für Tag,
was wir zum Leben brauchen,
und führe uns zur ewigen Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Für den Tag und die Woche

Das persönliche Gebet ist ein Sprechen, ein Dialog, aber nicht in einen leeren Raum hinein, sondern auf jemanden zu. Mein Gebet hat eine Richtung. Ich wende mich an Ihn, der mich liebt und den wir Gott nennen. Das Wichtigste aber ist, regelmäßig zu beten und nicht aufzugeben. … Und verlass dich darauf, dein Beten wird gelingen und wirksam sein! Es ist nie vergeblich. Alle unsere Gebete werden beantwortet, wenn auch oft auf unvorhergesehene Weise und zu unverhoffter Zeit. Beten ist aber auch fordernd. Es ist eine Herausforderung. Beten ist unbequem und bringt außerdem ein gewisses Risiko mit sich. Denn im Gebet vernehmen wir unweigerlich die Stimme unseres Gewissens, das uns sagt, was wir tun oder nicht tun sollten. (Franz Kardinal König)

P. Anselm Schott

Messbücher-Namensgeber Pater Schott vor 125 Jahren gestorben (23.04.2021)
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