Siebzehnter Sonntag im Jahreskreis

Weisheit, wie die Bibel sie versteht, ist nicht das Gleiche wie Philosophie oder Lebenskunst. Es handelt sich darum, die Wege Gottes und der Menschen zu begreifen und sich selbst zu verstehen. Das ist nicht nur eine Frage des Alters, der Begabung und des guten Willens. Die Weisheit ist ein Geschenk Gottes, ein notwendiges Geschenk, wenn unser Leben gelingen soll. Sie wird dem gegeben, der sie mit wachem Herzen sucht und um sie bittet.

EröffnungsversVgl. Ps 68 (67), 6–7.36

Gott ist hier, an heiliger Stätte.
Gott versammelt sein Volk in seinem Haus,
er schenkt ihm Stärke und Kraft.

Ehre sei Gott, S. 375 f.

Tagesgebet

Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen, ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.
Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg
und hilf uns,
die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,
dass wir die ewigen nicht verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

ZUR 1. LESUNG   Nach seinem Regierungsantritt macht Salomo die Wallfahrt nach Gibeon und betet um das, was er als König am meisten braucht: um Weisheit, d. h. Klugheit für die Praxis der Regierung. Er betet um ein „hörendes Herz“, um die Fähigkeit der rechten Unterscheidung und Entscheidung. Schon aus dieser Bitte spricht die Weisheit Salomos. Gott gewährt sie ihm und gibt ihm ein paar Kleinigkeiten dazu: Reichtum, Ehre, langes Leben.

Erste Lesung1 Kön 3, 5.7–12

Du hast um Weisheit gebeten

Lesung
aus dem ersten Buch der Könige.

In jenen Tagen
5 erschien der Herr dem Sálomo nachts im Traum
und forderte ihn auf:
Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll!
7Und Sálomo sprach: Herr, mein Gott,
du hast deinen Knecht
anstelle meines Vaters David zum König gemacht.
Doch ich bin noch sehr jung
und weiß nicht aus noch ein.
8Dein Knecht
steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast:
einem großen Volk,
das man wegen seiner Menge
nicht zählen und nicht schätzen kann.
9Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz,
damit er dein Volk zu regieren
und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht!
Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren?
10Es gefiel dem Herrn, dass Sálomo diese Bitte aussprach.
11Daher antwortete ihm Gott:
Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast
und nicht um langes Leben,
Reichtum oder um den Tod deiner Feinde,
sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören,
12 werde ich deine Bitte erfüllen.
Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz,
dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird,
der dir gleicht.

AntwortpsalmPs 119 (118), 57 u. 72.76–77.127–128.129–130 (Kv: 97a)

Kv Wie sehr liebe ich deine Weisung, o Herr! – KvGL 312, 7

57Mein Anteil ist es, Herr, *
das habe ich versprochen, deine Worte zu beachten.
72Gut ist für mich die Weisung deines Mundes, *
mehr als große Mengen von Gold und Silber. – (Kv)
76Tröste mich in deiner Liebe, *
nach dem Spruch für deinen Knecht!
77Dein Erbarmen komme über mich, sodass ich lebe, *
denn deine Weisung ist mein Ergötzen. – (Kv)
127Darum liebe ich deine Gebote *
mehr als Rotgold und Weißgold.
128Darum halte ich alle deine Befehle für richtig, *
alle Pfade der Lüge hasse ich. – (Kv)
129Wunderwerke sind deine Zeugnisse, *
darum bewahrt sie meine Seele.
130Das Aufschließen deiner Worte erleuchtet, *
den Unerfahrenen schenkt es Einsicht. – Kv

Zur 2. Lesung   Unser Leben steht nicht nur in dem engen Raum zwischen Geburt und Tod. Es hat einen ewigen Ursprung und ein ewiges Ziel. Was der Mensch in Wahrheit ist und werden soll, ist in Christus sichtbar geworden. Dass wir ihm ähnlich werden und an seinem Leben teilhaben, das ist Gottes Absicht und unsere Hoffnung. „Wir wissen“ – so beginnt diese Lesung –, dass unser Leben durch Leid und Tod hindurch diesem Ziel entgegengeführt wird.

Zweite LesungRöm 8, 28–30

Gott hat uns im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben

Lesung
aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.

Schwestern und Brüder!
28Wir wissen, dass denen, die Gott lieben,
alles zum Guten gereicht,
denen, die gemäß seinem Ratschluss berufen sind;
29denn diejenigen, die er im Voraus erkannt hat,
hat er auch im Voraus dazu bestimmt,
an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben,
damit dieser der Erstgeborene unter vielen Brüdern sei.
30Die er aber vorausbestimmt hat,
die hat er auch berufen,
und die er berufen hat,
die hat er auch gerecht gemacht;
die er aber gerecht gemacht hat,
die hat er auch verherrlicht.

Ruf vor dem EvangeliumVers: vgl. Mt 11, 25

Halleluja. Halleluja.
Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde;
du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.
Halleluja.

Zum Evangelium   Am Ende der Gleichnisrede fragt Jesus die Jünger: Habt ihr das alles verstanden? Er fragt jeden von uns. Das wirkliche Verstehen geschieht mehr mit dem Herzen als mit dem Verstand. Auf das Herz kommt es an, auf die Bereitschaft, dem Wort Jesu Raum zu geben, damit es in uns wachsen und Frucht bringen kann. – Der heutige Abschnitt bildet den Schluss der Gleichnisrede. Die Freude des Evangeliums und der Ernst seiner Forderung kommen hier nochmals zur Sprache.

EvangeliumMt 13, 44–52

Er verkaufte alles, was er besaß, und kaufte jenen Acker

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern:
44Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn
und grub ihn wieder ein.Und in seiner Freude ging er hin,
verkaufte alles, was er besaß,
und kaufte den Acker.
45Auch ist es mit dem Himmelreich
wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
46Als er eine besonders wertvolle Perle fand,
ging er hin, verkaufte alles, was er besaß,
und kaufte sie.
47Wiederum ist es mit dem Himmelreich
wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurde
und in dem sich Fische aller Art fingen.
48Als es voll war,
zogen es die Fischer ans Ufer;
sie setzten sich,
sammelten die guten Fische in Körbe,
die schlechten aber warfen sie weg.
49So wird es auch bei dem Ende der Welt sein:
Die Engel werden kommen
und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern
50 und sie in den Feuerofen werfen.
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
51Habt ihr das alles verstanden?
Sie antworteten ihm: Ja.
52Da sagte er zu ihnen:
Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte,
der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist,
einem Hausherrn,
der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.

Oder Kurzfassung:

EvangeliumMt 13, 44–46

Er verkaufte alles, was er besaß, und kaufte jenen Acker

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern:
44Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn
und grub ihn wieder ein.
Und in seiner Freude ging er hin,
verkaufte alles, was er besaß,
und kaufte den Acker.
45Auch ist es mit dem Himmelreich
wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
46Als er eine besonders wertvolle Perle fand,
ging er hin, verkaufte alles, was er besaß,
und kaufte sie.

Glaubensbekenntnis, S. 378 ff.

Fürbitten vgl. S. 810 ff.

Zur Eucharistiefeier   Jesus Christus ist der Schatz, die kostbare Perle – ihm gegenüber verblasst alles andere. Wer ihn entdeckt hat, erlebt die Freude als eine Grunderfahrung des Christseins. Ein freudloses Christentum, ein freudloser Gottesdienst: das wäre weder wahres Christentum noch wahrer Gottesdienst.

Gabengebet

Gütiger Gott, nimm die Gaben an,
die wir von deiner Güte empfangen haben.
Lass deine Kraft in ihnen wirken,
damit sie uns in diesem Leben heiligen
und zu den ewigen Freuden führen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation, S. 431 ff.

KommunionversPs 103 (102), 2

Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

Oder:Mt 5, 7–8

Selig, die barmherzig sind; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

Schlussgebet

Herr, unser Gott, wir haben
das Gedächtnis des Leidens Christi gefeiert
und das heilige Sakrament empfangen.
Was uns dein Sohn
in unergründlicher Liebe geschenkt hat,
das werde uns nicht zum Gericht,
sondern bringe uns das ewige Heil.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Für den Tag und die Woche

Wir können uns von Tag zu Tag darin einüben, die schöpferischen Kräfte in uns selbst aufzuspüren, um uns dadurch selbst auszudrücken und auf vielfältige Art und Weise zur Sprache kommen zu lassen. Wenn wir wieder mehr in unsere Tiefe hineinfühlen und wahrzunehmen lernen, welche Schätze in unserer eigenen Seele ruhen, dann werden wir eine leise Ahnung davon bekommen, dass der eigentliche Reichtum unseres Lebens weder in einer Fülle von materiellem Überfluss noch in grenzenlosem Erfolg liegt. Dann werden wir ein Gespür dafür entwickeln, dass der Schatz unseres Lebens tief in uns selbst verborgen ruht und nur darauf wartet, im Laufe der uns zur Verfügung stehenden Jahre gehoben zu werden. (Christa Spilling-Nöker)

P. Anselm Schott

Messbücher-Namensgeber Pater Schott vor 125 Jahren gestorben (23.04.2021)
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